Arbeit und Grundsicherung für alle?

Wir diskutieren über die Rentenversicherung, Lebensarbeitszeit, das Renteneintrittsalter, die Altersarmut, Existenzängste, Arbeitslosigkeit, Burnout, Depressionen und zunehmende Kriminalität und Radikalisierung der Menschen. - Symptome einer gescheiterten Politik der Angst, des Misstrauens, Zweifels und der Ohnmacht.

 

Vielleicht ist es Zeit, damit zu beginnen, einmal die Perspektive zu ändern und darüber zu diskutieren, wie wir Mensch und Arbeit überhaupt definieren.

Arbeiten wir, um unsere Versicherungen, unseren Lebensunterhalt, unsere Renten und jede Menge unsinnigen Konsum zu bezahlen, also aus der Angst, zu kurz zu kommen, aus der Gesellschaft herauszufallen?

 

Oder…ist Arbeit doch vielleicht „sichtbar gemachte Liebe“, wie es Kalil Gibran in seinem Buch „der Prophet“ einmal beschrieb?

 

Wollen wir weiter Export-Weltmeister sein und gleichzeitig zunehmend ärmer werden? Wollen wir weiter immer älter und gleichzeitig immer kranker, einsamer und verbitterter werden? Wollen wir immer mehr Angst oder wollen wir mehr Liebe?

 

 

Was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es an im Leben? Wie möchten wir am Ende unseres Lebens auf dieses Leben zurückblicken?


Ist es wirklich wichtig, wie oft wir Export-Weltmeister oder Fußball-Weltmeister geworden sind, wen wir wie oft besiegt haben, wieviel wir konsumiert haben, welche Autos wir hatten, wie viele Auszeichnungen wir bekommen haben, welche Zeugnisse man uns ausgestellt hat, wie oft wir gelobt wurden, wieviel Geld wir verdient haben, letztlich alles Dinge, die nur dazu dienen, den unstillbaren Hunger unseres Egos nach Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Liebe scheinbar zu stillen?

 

…oder ist es wichtig, wie oft und wie sehr wir geliebt haben?  …frag dein Herz!


Wenn wir annehmen, - wovon ich überzeugt bin, dass es eine tiefe Wahrheit ist - , nämlich dass jeder Mensch ein soziales Wesen ist, das in seiner Essenz Liebe ist, d.h. dass wir alle nicht nur nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Liebe suchen, sondern Liebe sind…

…dann kann aus dem Scheitern der sogenannten Wohlstandsgesellschaft und der tragischen Illusion, die Glück im Konsum und Konkurrenzkampf sucht, eine uralte Wahrheit neu entdeckt werden, nämlich die Einsicht, dass wir alle miteinander verbunden sind und somit Leid und Not der anderen unser Leid, unsere Not ist. Das könnte das Zeitalter der Liebe werden.

 

Nehmen wir den 16-Jährigen Kevin, Ali, Max… ohne Schulabschluss, der täglich am Bahnhof rumlungert mit seinen ebenfalls perspektivlosen Kumpels, die sich von der Gesellschaft abgestoßen fühlen und die ihre Zeit mit Trinken, Rauchen, Dealen verbringen. Wenn wir Kevin und seine Kumpels  in die Gesellschaft zurückholen, indem wir allen und damit auch ihnen z.B. eine Grundsicherung bezahlen und ihnen damit signalisieren, dass sie dazugehören, nicht vergessen werden, welches Potential kann dann frei werden?

Hoffnungslosigkeit, Ziellosigkeit, Frust, innere Leere, Einsamkeit, Selbstunliebe und Wertlosigkeit führen in die Kriminalität, Sucht, sinnlosen Konsum, Aggression, Radikalisierung.

Wenn all die Menschen, deren Potential verloren geht, ihren Selbstwert wiederfinden, was könnte daraus entstehen? Jeder möchte aus einem inneren Bedürfnis heraus etwas beitragen, möchte eine Aufgabe und ich bin überzeugt, jeder kann und will seinen Beitrag leisten innerhalb der Gesellschaft.

Aber bisher geben wir dieses Potential verloren, indem wir diesen Menschen keine Chance geben.

Mit Hartz 4 werden sie zusätzlich stigmatisiert; dafür stecken wir Milliarden in die Drogen-, Suchtbehandlung, Kriminalitätsbekämpfung, Strafvollzugsanstalten, Gerichtsverfahren, Polizei und nicht zu vergessen Versicherungen, Folgeschäden der Kriminalität usw. Ich möchte das Gesund- oder viel mehr Krankheitswesen gar nicht tiefer beleuchten, das letztlich aufgrund sämtlicher Folgen der Selbstablehnung und -verurteilung einer gescheiterten Gesellschaft, spiegelbildlich kollabiert.

 

Alle, die in unserer Gesellschaft durch das sogenannte ‚soziale Netz‘ nur scheinbar nicht fallengelassen werden, tatsächlich aber durch Stigmatisierung ihren Selbstwert längst verloren haben und alle Ausgebrannten, Rentner, Frührentner oder aufgrund von Altersarmut unsichtbaren Alten wünschen sich nichts sehnlicher als Geborgenheit, Anerkennung und Wertschätzung und brennen danach, einen Beitrag zu leisten. Stattdessen lassen wir ihr Talent, ihre Leidenschaft, ihre Tatkraft, ihren längst gebrochenen Willen verkommen und nennen es Sozialstaat. Und dann gehen wir arbeiten, fleißig und verbissen aus der Angst heraus, vielleicht irgendwann einmal auch nicht mehr dazuzugehören.

Wenn wir unsere Verbindung zu allen Menschen und allem, was ist, erkennen und unsere Herzen auch und zuallererst für uns selbst öffnen und der Stimme unseres Herzens folgen, dann handeln wir nicht mehr aus der Angst, sondern aus Liebe, nicht mehr aus dem Zweifel und Misstrauen heraus, sondern aus dem Vertrauen, und dann haben wir kein Rentenproblem mehr, keine Jugendkriminalität, kein kollabierendes Krankheitssystem und die Diskussion über ein Renteneintrittsalter ist überflüssig.

Auch wenn die meisten es noch nicht bemerkt haben, wir leben im Zeitalter der Liebe und alles, was jetzt nicht in der Liebe ist, bricht auseinander, wie unendlich viele Beispiele von Ereignissen in der Welt eindrucksvoll belegen. Und das ist doch eine gute Nachricht.

 

                                                                                                    lob                                                                     Lothar Obrecht, 26.04.2016

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