Von der Political Correctness zur Wahllosigkeit der Ausbeutung von Emotionen. Ein notwendiger Schritt auf dem Weg in ein Zeitalter der Liebe

Ja, auch ich bin auf der Suche, - ein Suchender. Im Grunde sind wir doch alle Suchende, aber wonach suchen wir eigentlich? Glück, Frieden, Erfüllung, den Sinn des Lebens, die Liebe, unser Selbst, die Verbindung zu unserem Zentrum, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Ekstase? Ich glaube, wer aufhört, zu suchen, ist in der totalen Unbewusstheit angekommen, denn er wird zum Objekt seiner Konditionierungen, bar jeder Subjektivität und Unvoreingenommenheit. Unfähig, zu staunen und sich von der Schönheit des Augenblicks überraschen zu lassen, gefangen im Urteilen, Bewerten, Unterscheiden und Kategorisieren. Entgegen aller Bemühungen der jeweils herrschenden Eliten haben wir uns immer eines bewahren können: Die Fähigkeit, zu lieben, zu suchen und die Verbindung zu unserem Herzen. Die Flamme ist klein, aber sie ist noch nicht erloschen.

Ich behaupte, die Politik, die Medien, die Mächtigen in unserer Gesellschaft sind es, die diese Flamme kleinhalten und die Selbstbestimmung der Menschen versuchen, zu kontrollieren. Ein bisschen ist erlaubt, allerdings nur in dem Rahmen, der die bestehende Ordnung nicht gefährdet. - Dieses System gelangt jetzt an seine Grenzen.

 

Es beginnt in der Schule: Wie kann es sein, dass Kinder, wenn sie in die Schule kommen, als allererstes genau das verlieren, was ihnen ureigen und die Grundvoraussetzung für positives Lernen und die Entfaltung ihres Potentials ist:

 

Begeisterung und Freude.

 

Das Schulsystem ist so angelegt, dass die ursprüngliche Begeisterung der Kinder schnell gebrochen und willfährige Konsumenten aus ihnen geformt werden. Neben Waren und Dienstleistungen sollen sie unter anderem unsere religiösen, moralischen und gesellschaftlichen Werte und Normen, d.h. sehr viel veraltetes Wissen aufsaugen und bitte keinen eigenen Inspirationen folgen. Ihre einzigartige Subjektivität wird zum Objekt der Leistungs- und Konsumgesellschaft umerzogen. Selbst die Gedichtinterpretation im Fach Deutsch hat in einem vorgegebenen Rahmen zu erfolgen. Durch Beurteilung (=Verurteilung) und in großen Teilen unsinnigen Lernstoff wird ihnen sehr schnell klar gemacht, dass sie nicht richtig, nicht gut genug sind und dass ihre immer vorhandenen natürlichen Begabungen nicht interessieren. Wie soll es auch anders sein? Von Lehrern, denen nicht mehr Spielraum für neue Wege gelassen wird und von denen die meisten selbst nie gelernt haben, sich selbst zu lieben bzw. sich nicht zum Objekt von Zielen machen zu lassen, kann man nicht erwarten, den sich selbst erhaltenden Mechanismen dieses Systems auf die Schliche zu kommen. Das gleiche gilt auch für den allergrößten Teil der Eltern, was keine Verurteilung der Eltern oder Lehrer sein soll, es ist lediglich der Zustand unserer Gesellschaft.

Also dämpfen wir die Begeisterung der Kinder so gut es eben geht. Wenn wir allerdings unser Herz fragen, spüren wir den Verrat.

Was damit angerichtet wird, zeigt sich immer deutlicher. Weniger Schüler, die ihr Potential entfalten, Orientierungslosigkeit am Ende der Schulzeit, immer mehr frustrierte junge Menschen, Burn-out an Schulen, ADHS, Jugendarbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, Schulabgänge ohne Abschluss, Entstehung von Hartz 4 Generationen, zunehmende Radikalisierung und gleichzeitig Mangel an Facharbeitern, Lehrern usw.

Prof. Gerald Hüther, ein bekannter Neurobiologe gebraucht eine schöne Metapher: „Selbst ein 85 Jähriger würde noch einmal beginnen, Chinesisch zu lernen, - wenn er sich in eine 67 Jährige Chinesin verlieben würde…was Begeisterung auslösen kann, wenn Emotion und Kognition zusammen wirken! 

Der Mensch strebt von Natur aus nach Bindung, Zusammensein, Geborgenheit und gleichzeitig im selben Masse nach Freiheit, Selbstbestimmung und Potentialentfaltung. Intuitiv wissen wir alle, dass das wahr ist, denn wir fühlen das in unserem Herzen. Bleibt diese Sehnsucht allerdings ungestillt, dann sucht der Mensch nach Ersatzbefriedigung und diese liegt im Konsum und in der Befriedigung des Ego.

In der Psychologie spricht man von Inkongruenz des Selbst mit der Erfahrung im Außen.

 

Wenn das also wahr ist, dass wir von Natur aus nach Bindung und gleichzeitig nach Freiheit und Subjektivität streben, was die Grundvoraussetzung für die optimale Entfaltung unseres Potentials ist, warum nehmen wir dann unseren Kindern gleich zu Beginn die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben? Wer hat daran ein Interesse?

 

Es sind die vermeintlich Privilegierten, die ihre Ersatzbefriedigung darin suchen, dass sie auf Kosten der Mehrheit der Menschen und deren Selbstbestimmung den Status Quo vehement verteidigen, weil sie glauben, ihr Ego aufrechterhalten und füttern zu müssen, um nicht ihren eigentlichen Ängsten zu begegnen. Ein Programm von Lieblosigkeit eingehüllt in den Mantel der Scheinheiligkeit aus sozialer Güte, christlicher Wohlfahrts-Mentalität, Meinungs- und Religionsfreiheit, Toleranzwillen, Weltoffenheit, Bildung und angeblicher Chancengleichheit zur Gewissens-Beruhigung. Dahinter ein fest zementiertes anthropologisches Weltbild. Man könnte fragen, was falsch ist an einem Weltbild und einem Wertesystem? Es ist nichts falsch daran, aber wenn es die Weiterentwicklung der Gesellschaft bzw. das Innere Wachstum des Einzelnen behindert, darf dieses Wertesystem korrigiert werden.

 

Diese Grundschwingung in unserer Gesellschaft, drückt sich folglich auch in den vom Volk gewählten Politikern aus. Wir spüren, dass da etwas faul ist im Staate,- es beginnt immer mehr zu müffeln…, so sehr, dass diejenigen unter uns, die die Stimme ihres Herzens hören, den Politikern und anderen Funktionären nicht mehr folgen mögen. 

Pseudologia fantastica als krankhaftes (pathologisches) Symptom einer Gesellschaft, - die (Selbst-)Lüge wird zur Ware, welche Partei, welcher Politiker bietet die interessanteste Lüge, gerne humorvoll verpackt, das macht die Kehrtwendung leichter. Je wahlloser die Unwahrheit, desto leichter der Umgang mit ihr. Wir sind von der Political Correctness, d.h. der Versachlichung, der Ent-Emotionalisierung zur unreflektierten Emotion zurückgewechselt und vergessen dabei erneut, dass beides zusammengehört. Eine Folge der globalen digitalen Überforderung der Menschen, die neue Ängste weckt?

 

Kognition ohne Emotion (ent)täuscht, denn der Denker in uns erfindet immer neue Lösungen in der Orientierungslosigkeit für Probleme, die wir, wenn wir auf den Kompass unseres Herzens hören würden, gar nicht hätten. Am Steuersystem, dem Geld- oder Gesundheitssystem wird deutlich wie genial dieser Denker arbeitet. Emotion ohne Kognition birgt wiederum die Gefahr, dass wir uns in Emotionen verlieren, denn wir durchschauen die Emotionen nicht, wir nehmen den Hass, die Ohnmacht und die Angst nicht als das wahr, was sie eigentlich sind, nämlich Produkte unserer Ablehnung von uns selbst. Stattdessen projizieren wir diese Emotionen und es entstehen Bewegungen wie Pegida oder radikale Parteien. Im Extremfall produziert die unbewusste Emotionalisierung den Selbstmordattentäter, insbesondere, wenn religiöser Wahn im Spiel ist.

Allein das Herz als Navigator ist in der Lage, beides zu verbinden, Kognition UND Emotion zu einem Akt der Liebe durch urteilsfreie Bewusstheit. Indem wir bewusst wahrnehmen, was es da in uns denkt und erkennen, dass Gefühle und Emotionen Signale unserer inneren Konflikte sind, werden wir zum Zeugen, denn nur im Zeuge-Sein liegt die urteilsfreie Bewusstheit.

Stattdessen aber projizieren wir unsere abgelehnten negativen Gefühle z.B. auf den politischen Gegner oder den Andersdenkenden. Und spätestens wenn dann diese Saat wieder aufgeht, erkennen wir unseren Irrtum.

 

Der Zusammenbruch aller Illusionen von Sicherheit, materiellem Wohlstand als Ersatz für inneren Reichtum, der Illusion vom Frieden im Außen als Kompensation für den Unfrieden im Innen, von Gerechtigkeit und dem, was wir als Gut und was wir als Böse kategorisieren, gibt langsam den Blick frei für das, was wirklich wahr ist. Wir können uns jederzeit neu entscheiden. Wenn wir erkennen, dass unser Glück nicht im Außen zu finden ist, sondern im Innen, in der Entfaltung unseres Potentials und der Einzigartigkeit jedes Einzelnen in der Bewusstheit der Verbundenheit aller, wenn wir unserem Herzen folgen und zum Maßstab unserer Entscheidungen machen, dann werden wir erkennen, dass ein Neuanfang möglich ist. Das Zeitalter der Liebe.

Lothar Obrecht, Februar 2017

Kommentar schreiben

Kommentare: 0